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Karl-Scheuermann-Hütte

Lage:
Rheingauer Pfad, unterhalb des Knusperhäuschens

Baujahr:
1934

Vorgänger:
Keiner

Geschichte:
In Klarenthal beginnend, führt der Rheingauerpfad über das Chausseehaus nach Georgenborn zum ehemaligen Schloß Hohenbuchau. Dieser Weg verdankt neben vielen anderen Wegen sein Bestehen dem Straßenbaufachmann Dr. Karl Scheuermann. An einer malerischen Stelle, nach Süden blickte man früher über ein Wiesental bis zum Rhein, in der Nähe der beliebten Ausflugswirtschaft "Knusperhäuschen", wurde Scheuermann zu Ehren die Hütte vom Verschönerungs-Verein-Wiesbaden angelegt. Die Einweihung der Hütte erfolgte am 04.11.1934. Im Krieg durch Bomben beschädigt, ließ der Kur- und Verkehrsverein die Hütte 1952 wieder herstellen.

Scheuermann Hütte 1934
Die Scheuermann-Hütte im Jahr 1934

Scheuermann-Hütte 1952
Die Scheuermann-Hütte vor den Restaurierungsarbeiten 1952 (Bild: KVV)

Scheuermann Hütte 1952
Die Scheuermann-Hütte während der Restaurierungsarbeiten 1952
(Bild: KVV)

Scheuermann Hütte 1952
Die Wiedereinweihung der Scheuermann-Hütte im Jahr 1952 (Bild: KVV)

Namensgeber:
Dr. Karl Scheuermann (1869 - 1935) war Stadtbaurat in Wiesbaden.

Beschreibung:
Auf einer heute ziemlich zugewachsenen Terrasse mit ebensolchen Stufen steht am Rheingauerpfad, zwischen Chausseehaus und Georgenborn, die 7,70 x 4,00 m große Scheuermann-Hütte.

Terasse

Diese auf querovalem Grundriß erbaute Hütte präsentiert sich heute in rudimentärer Ausführung. Links und rechts umfassen zwei Mauerwölbungen den sehr breiten mittig gelegenen Eingang. Über einem niedrigen Sockel aus Bruchsteinen reichen sie, grob mit hellem Mörtel beworfen und nicht weiter bearbeitet, bis in die Dachzone. Der Eingang, umrahmt von dunklen schmalen Holzbalken, wird durch zwei eingestellte Balken in drei gleiche Teile geteilt. Diese Stützbalken stehen auf rechteckigen Basen und sind heute nicht mehr ausgestaltet; man kann noch die Ansatzstellen einer Verzierung erkennen. Ein Querbalken oberhalb des Eingangs trägt den Namen der Hütte:

Dr. Karl Scheuermann-Hütte

Querbalken

Schon vom Eingang aus wird der Blick hinaus ins Freie geleitet durch ein großes Fenster gleichen Ausmaßes an der gegenüberliegenden Seite der Hütte; es hat die gleiche Breite wie der Eingang und reicht ebenfalls zur Dachzone, wie der Eingang von schmalen dunklen Balken umrahmt. Früher war das ganze Fenster mit Sprossen überzogen und die Rückseite bildete auf diese Weise einen, wenn auch weit in die Landschaft geöffneten, Abschluß des Baues. Auch hier bilden zwei dickere Pfeiler eine gleichmäßige Einteilung. Allerdings sind sie durch die hier noch vorhandenen knaggenartig profilierten Verstärkungen in der Kapitellzone aufwendiger. Von gleicher Ausführung waren ursprünglich die Stützbalken des Eingangs gewesen. An der rechten Innenseite der Hütte unter dem Gebälk ist folgendes zu lesen:

Seinem verdienstvollen Mitglied Baurat Dr. Scheuermann gewidmet vom Verschönerungs Verein + Wiesbaden - 1934

Inschrift

An der linken Innenseite steht folgender Spruch:

Denk Deiner Ahnen, denk der Germanen und halte Haus und Sitten rein, dann sollst Du willkommen sein

Inschrift

Entsprechend diesem Gedankengut hatte die Hütte ursprünglich auch den Beinamen "Germanenhütte" bekommen. Sämtliche Schrift ist in heller Fraktur ausgeführt. Mit Lehnen versehene Bänke über einem Betonsockel bieten Rast. Die weißen ungegliederten Innenwände über niedrigem Sockel aus Bruchsteinen stehen in lebhaftem Kontrast zur auffallenden Dachzone. Die hölzerne Balkendecke wird von breiten Unterzügen verstärkt, in den ovalen Dachseiten sind die tragenden Balken fächerförmigen angeordnet, wobei die Zwischenräume rot gehalten sind. Die umlaufende Zone oberhalb der Wände ist rot gestrichen, wobei die Tragebalken, an den Enden ebenfalls rot, in ihrer dunklen Farbe einen reizvollen Kontrast bilden.

Tragbalken

Besonders auffallend ist das große hohe Walmdach, wofür das Reetdach eines norddeutschen Bauernhofes zum Vorbild genommen wurde. An den Seiten, dem Grundriß entsprechend abgerundet, ist es vorne und hinten als Wetterschutz vorgezogen. Am ausgeprägten Dachfirst waren früher als Giebelschmuck an den Giebelspitzen sich überkreuzende Hölzer angebracht, die in gekerbten schaufelartigen Gebilden endeten - es waren wohl nicht die dort üblichen gekreuzten Pferdeköpfe. Dieses auf ein "Germanenhaus" hinweisende Dach mit Reeteindeckung ist heute nur mehr mit einer schadhaften Dachpappe versehen. Im Jahr 1952 fand eine Renovierung statt. Damals war das Sprossenfenster noch vorhanden wie auch die Ausschmückungen der beiden im Eingang eingestellten Pfeiler und vor allem die Reeteindeckung des Daches. Die heute recht verwahrloste Umgebung der Hütte war zur zum Zeitpunkt der Erbauung angelegt und gepflegt gewesen.

Scheuermann-Hütte
Die Scheuermann-Hütte im Jahr 2005

Über einen freien Raum betrat man über fünf Stufen die Terrasse; diese war links durch eine ovale Mauer abgestützt, während vor der geraden rechten Mauer eine Bank stand. Die Scheuermann-Hütte stellt durch ihre Ausgestaltung ein Zeichen der Germanenbegeisterung ihrer Zeit dar und ist damit auch als geschichtliches Dokument von Bedeutung.

Scheuermann-Hütte

Im Winter 2010/2011 wurde die Hütte abgerissen! Eine Sanierung war offenbar nicht gewünscht.

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